Rückfragen zum christlichen Glauben.

Als Christen sind wir davon überzeugt: Wer kritisch nachfragt, hat ein Recht auf durchdachte Antworten. Denn der christliche Glaube kann Anfragen aushalten. Nicht weil es auf jede Frage eine „Rezept-Antwort“ gäbe. Sondern weil beim Glauben der Verstand nicht etwa auf „Standby“ geschaltet, sondern zum Nach-Denken angeregt wird.

Deswegen sind die Antwortvorschläge, die wir zu jeder Anfrage aufführen, auch genau das: Vorschläge. Sie sollen weiteres Nachfragen und Nachdenken anstoßen. Das würde uns freuen! Wenn du Näheres wissen willst, frage gerne noch einmal konkret & gezielt nach. Es folgt ein kurzer Schnellüberblick:

 

1. Genügt es nicht, ein guter Mensch zu sein?

2. Gott – Könnt ihr den beweisen?

Das ist eine sehr berechtigte Frage, hinter der sich freilich eine Vorentscheidung versteckt: „Nur das, was beweisbar auch ist, existiert.“ Auf den ersten Blick ergibt diese Aussage auch sehr viel Sinn, aber schon der Blick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass die Existenz einer Sache nicht automatisch von ihrer Beweisbarkeit abhängt.

Denken wir z.B. einmal an Atome oder die radioaktive Strahlung: Beides konnte man vor rund 200 Jahren nicht beweisen, aber heißt das, dass es vor 200 Jahren keine Atome oder radioaktive Strahlung gab? Es leuchtet sicherlich ein: Die Nicht-Beweisbarkeit von X sagt nichts über dessen Existenz aus. Wissenschaftliche Forschung ist natürlich eine erstklassige Hilfe, aber eben trotzdem nicht dazu in der Lage, auf alles eine Antwort zu geben. Es ist folglich nicht richtig zu sagen:

„Weil Gott nicht beweisbar ist, kann es ihn nicht geben.“

Aber natürlich reicht es am Ende nicht aus zu sagen, dass es keine Beweise gegen Gott gibt. Denn nur, weil es die nicht gibt, heißt es ja noch lange nicht, dass es ihn gibt. Nein, es braucht schon gute (objektive) Gründe für ihn.

3. Glaube – hat nicht jede Religion Recht?

Anders gesagt: „Alle haben ihre Wahrheit, eine objektive Wahrheit gibt es nicht. Deswegen lohnt es sich auch nicht wirklich, über die Wahrheit zu diskutieren.“ Diese Sichtweise hat unseres Erachtens mehrere Schwachstellen:

  • Sie ist in sich widersprüchlich. „Es gibt keine objektive Wahrheit“ – ist dieser Satz objektiv wahr?
  • Sie ist nicht lebbar. Wenn ich über eine Brücke gehe, kann ich mich vorher fragen, ob die physikalischen Gesetze, die der Architekt beim Bau beachtet hat, gültig sind. Ich kann vom Kopf her unentschieden bleiben. Aber sobald ich die Brücke betrete, gebe ich meine Neutralität auf.
  • Sie ist letztlich unverantwortlich. Grundlegende ethische Maßstäbe, z.B. die Menschenrechte, erheben zu Recht den Anspruch auf objektive Geltung. Dass Völkermord Unrecht ist, ist eben nicht nur relative Wahrheit, nicht nur „Geschmackssache“. Das heißt nicht, dass keinerlei Diskussion über ethische Fragen möglich wäre. Es heißt nur, dass sie in der Absicht geführt werden muss, objektive Wahrheit zu erschließen.
  • Sie greift zu kurz. Ich finde unser Leben ist zu kostbar, als dass wir uns mit weniger als verlässlicher Wahrheit abgeben könnten. „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ fragt der Heidelberger Katechismus. Diese Frage braucht eine substanzielle Antwort.

4. Gott – Ist der nicht reine Wunscherfüllung?

Die so genannte Projektionshypothese: Glaubende malen das Bild eines allmächtigen Gottes an den Himmel, weil sie sich einen solchen Gott wünschen – und weil sie mit diesem Leben nicht zurecht kommen. Das Problem dabei: Es wird schon vorausgesetzt, dass Gott nicht existiert. Der Einwand erklärt, warum Menschen an Gott glauben, wenn es ihn nicht gibt. Er beantwortet gar nicht die Frage, ob es ihn gibt

Denn dass ich ein Bedürfnis nach etwas habe, kann genauso gut ein Hinweis darauf sein, dass es dieses Etwas auch gibt. Ich habe Hunger – und es gibt Nahrung. Ich habe das Bedürfnis nach menschlicher Nähe – und es gibt andere Menschen. Meine Bedürfnisse geben mir darüber Aufschluss, worauf ich angelegt bin. Die Sehnsucht nach Gott, die viele Menschen verspüren, ist sicher kein Beweis für Gott – aber sie kann genauso gut als Hinweis und Denkanstoß gewertet werden wie als Gegenargument, zumal das Gottesbild des christlichen Glaubens im Kern den Vorstellungen menschlicher Religiosität direkt widerspricht. Einen Gott, der sich selbst erniedrigt und für seine Geschöpfe stirbt, um sie zu retten – einen solchen Gott kann man sich kaum ausdenken.

5. Leid – Wie kann Gott das zulassen?

Ganz ehrlich: Das ist eine der schwierigsten Anfragen an den Glauben. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand diese Frage aus einer persönlichen Betroffenheit heraus stellt oder nicht. Wenn ja, ist eine schriftliche Antwort in Form von ein paar Argumenten immer unzureichend. Dann wäre ein Gespräch unter vier Augen viel besser. Eine Frage, die nicht nur theoretisch ist, kann man auch nicht rein theoretisch beantworten.

Schon deswegen, aber auch weil das Thema so umfassend ist, kann ich also nur ein paar Denkhilfen geben: Wenn jemand nach einem Unfall mit gebrochenen Beinen im Krankenhaus liegt und ruft „Warum?“, will er nicht hören: „Ganz einfach – du bist zu schnell in die Kurve gefahren und die Fliehkraft hat dich über die Leitplanke getragen…“ Sondern er will, dass sich seine Lage ändert. Das deutet auch schon die Richtung an, in der eine mögliche Antwort liegt.

Natürlich stimmt es: Aus Sicht der Bibel gehört Leiden zur Welt nach dem Sündenfall dazu – also zu einer Welt, in der die Menschen sich von Gott abgewandt haben. Das ist die Auskunft der ersten Kapitel der Bibel: Gott hat Menschen mit der Freiheit geschaffen, sich ihm zuzuwenden oder sich von ihm abzuwenden. Gott will eine reale Beziehung zu einem freien Gegenüber; und zu dessen Freiheit gehört die Möglichkeit des Scheiterns logisch dazu. Und Scheitern heißt in diesem Fall: Abwendung von Gott, Misstrauen gegen Gott – und damit langfristig auch Misstrauen gegeneinander, Gebrochenheit, Feindseligkeit…

Unsere Weltwirklichkeit ist voll von der Erfahrung solchen Scheiterns – und zwar des Scheiterns von uns Menschen. Jedes Bild vom Menschen, das realistisch sein will, muss genau das einkalkulieren: Dass der Mensch in sich gebrochen ist, dass er höchst unvollkommen und zu handfestem Versagen in der Lage ist. Wer das nicht einkalkuliert, läuft Gefahr, einen Teil unserer Alltagserfahrung einfach auszublenden.

Das also ist ein erster Ansatz einer Antwort: Die Freiheit des Menschen schließt die Möglichkeit des Scheiterns ein. Wenn Gott diese Möglichkeit ausgeschlossen hätte, hätte er uns nicht als freie Wesen geschaffen. Dass er uns aber als freies Gegenüber geschaffen hat, ist gerade Ausdruck seiner Liebe zu uns.

Das ist eine wichtige Denkhilfe. Aber wie ich selbst einräumen muss: Es beantwortet selten die Frage des einzelnen Leidenden, wie er seinen Schmerz bewältigen soll. Denn schon das Beispiel von Hiob im Alten Testament zeigt, dass es in dieser gefallenen Welt eben keineswegs immer die „Richtigen“ trifft (Buch Hiob, Kapitel 1-2). Wir Menschen leiden oft unter den Konsequenzen der freien Entscheidungen anderer. Zwei Grundannahmen des christlichen Glaubens können uns allerdings weiter helfen:

  • Der Gott, an den wir glauben, ist kein distanzierter Gott, weit weg und desinteressiert. Wir glauben, dass er in Jesus Mensch geworden ist. Und wir glauben, dass er in Jesus in seiner Liebe zu uns bis in den Tod gegangen, am Kreuz gestorben ist. Das heißt, wir glauben an einen gekreuzigten Gott, der mitten in unserem Leiden gegenwärtig ist. Gott kann auch unsere Klage und unser Unverständnis aushalten; denn im Grunde leidet er mit jedem Leidenden weitaus mehr mit als wir das könnten. Wir müssen Gott also nicht etwa darüber „informieren“, was Leiden bedeutet.
  • Es gibt in dieser Welt, aus unserer begrenzten Perspektive vielleicht keine hundertprozentig befriedigende Antwort auf das Problem. Aber es gibt in Gottes Welt eine vollkommene Lösung. Christen leben auf Gottes neuen Himmel und neue Erde zu, in der Gott alle Tränen abwischen wird, in der es keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei und keinen Schmerz mehr geben wird; denn was vorher war, ist vergangen (Offenbarung, Kapitel 21, Vers 4). Diese Erwartung hilft, das Dunkel dieser Welt beim Namen zu nennen, es gerade nicht zu beschönigen und dennoch hoffnungsvoll zu leben.

Ein letzter Denkanstoß: Wie kommt es eigentlich, dass uns Menschen die Frage nach dem Leid der Welt und der Gerechtigkeit und Liebe Gottes so umtreibt? Selbst solche Menschen, die erklärtermaßen gar nicht an Gott glauben? Unsere Unruhe im Blick auf das Leiden der Welt macht doch nur dann Sinn, wenn wir eine Alternative vor Augen haben – wenn wir ahnen, dass die Welt eben nicht so ist, wie sie sein sollte. Woher aber kommt diese Ahnung, wenn doch der Zustand der Welt nichts Neues sein dürfte? Mit C. S. Lewis gefragt:

Wundert sich ein Fisch darüber, dass es nass ist? Und wenn er es doch täte: Hieße das nicht vielleicht, dass er ursprünglich mal fürs Trockene geschaffen worden ist?

6. Glaube & Wahrheitsanspruch – Ist das nicht intolerant?

Fangen wir einmal mit einem kurzem Video-Clip an:

Der Redner fasst unseren Standpunkt zur Titelfrage recht gut zusammen. Zunächst gilt festzuhalten, dass die Sorge ganz berechtigt ist: Wenn Christen einen allgemeinen Wahrheitsanspruch erheben und damit gleichzeitig sagen, dass andere Ansprüche dieser Art nicht greifen, ist das nicht automatisch intolerant und arrogant?

Nun haben wir  es gerade im Video schon ganz richtig gehört – aber gerade weil der Toleranzbegriff so wichtig ist, schadet es nicht, ihn noch einmal aufzugreifen. Toleranz ist in seiner klassischen Sicht die Auffassung:

„Ich habe einen Standpunkt, den ich für überzeugend halte, aber ich kann es aushalten, wenn jemand anderes einen anderen Standpunkt hat. Ich teile die Sicht meines Gegenübers zwar nicht und glaube sogar, dass er bei bestimmten Punkten nicht richtig liegt. Ich werde ihm aber stets mit vollem Respekt und Wertschätzung begegnen.“

Wir halten diese Einstellung gerade für uns Christen für sehr zentral, aus einem einfachen Grund, weil sie schlichtweg „bibel-kompatibel“ ist. Denn im Neuen Testament, im Gründungsdokument der Christen also, fordert Jesus genau das. Dort sagt er nämlich:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zu Gott, dem Vater, außer durch mich.“

und im gleichen Neuen Testament sagt er:

„Liebt eure Feinde. Selbst die Menschen, die nicht für Euch sind. Begegnet ihnen mit Liebe und tretet für Sie ein.“

Jesus fordert uns Christen also dazu heraus, jedem Menschen – selbst denen, die uns nichts Gutes wollen – mit höchster Wertschätzung zu begegnen. Nicht nur mit Toleranz, sondern sogar mit viel mehr als das – mit Liebe. So sollte ein Toleranzverständnis sein, für das Christen sich stark machen – zumindest sollten sie es, eben weil es „im Sinne des Erfinders“ ist. Solch eine Toleranz steht dann auch nicht im Widerspruch zu einem Wahrheitsanspruch.

Es ist sehr gut möglich, auf diese Weise tolerant zu sein und zugleich einen Wahrheitsanspruch zu erheben. Wir würden sogar so weit gehen und behaupten, das man auch für das werben darf, was man für die Wahrheit hält – mit der wichtigen Einschränkung, dass dieses Werben nur dann geschehen darf, wenn es friedlich und respektvoll daherkommt und auch nur mit den Mitteln des Arguments zu überzeugen versucht wird.

Anders kann es unserer Ansicht nach auch gar nicht funktionieren: Man kann Glauben nicht erzwingen oder andere dazu überreden bzw. zu bekehren. Immer, wenn dies im Laufe der Geschichte versucht wurde, ist es fürchterlich ausgegangen. Und aus Glaubensperspektive ist das auch sehr logisch: Glaube kann man nicht erzwingen, weil Glauben nicht „Schätzen“, sondern „Vertrauen“ meint – und ernst gemeintes Vertrauen schnippt man nicht einfach so herbei.

Letztlich gilt für uns also:

Wir Christen haben einen Standpunkt, den wir für überzeugend halten, aber wir können es problemlos aushalten, wenn andere Leute sagen, dass der Atheismus, der Agnostizismus, der Islam etc. die richtige Sichtweise ist. Wir teilen diese Sichtweisen zwar nicht und glauben sogar, dass man damit nicht richtig liegt, wir werden aber jeder Person – selbst der, die uns nichts Gutes will – stets mit vollem Respekt, Freundlichkeit und Wertschätzung begegnen.

Und weil es gerade so gut passt, zum Abschluss noch ein kurzer Video-Clip:

7. Sind Christen etwa bessere Menschen?

Nein, sind sie (leider oft) nicht. Damit ist aber noch nichts über die Wahrheit des christlichen Glaubens ausgesagt. Wenn mein Arzt mir empfiehlt, keinen Alkoholmissbrauch zu betreiben – aber selbst Alkoholiker ist – dann wird dadurch noch nicht sein Ratschlag falsch; nur er als Person wird unglaubwürdig. Wir müssen also zwischen Person und Sache unterscheiden.

Nun könnte man einwenden, dass ja nach Aussage der Bibel selbst die Beziehung zu Gott einen Menschen umgestaltet; das gehört also mit zum Wahrheitsanspruch des Glaubens dazu. Allerdings fängt jeder Mensch, auch wenn er sich zum besseren wandelt, an einer anderen Stelle an. Z.B. ist es für jemanden, der in einem intakten Umfeld aufwächst, viel leichter, auch selbst freundlich, geduldig und konfliktfähig zu sein, als für jemanden mit einem schwierigeren Hintergrund. Die Frage „Sind Christen besser?“ ist also zu pauschal; stattdessen könnte man höchstens fragen: „Hat sich dieser einzelne Mensch, seitdem er Christ ist, zum besseren hin verändert?“

Und schließlich: Die Bibel rechnet diesseits des Himmels mit der bleibenden Fehlbarkeit jedes Menschen, gerade des religiösen Menschen. Dass auch Christen fehlbar sind und immer wieder handfest versagen, ist damit niemals zu entschuldigen (nur zu vergeben). Aber es ist trotz allem auch eine Bestätigung gerade dieses biblischen Menschenbilds.

 

8. Wollt ihr mich etwa bekehren?

Eine berechtigte Frage, damit verbunden ist manchmal die folgende Annahme: Wer allzu engagiert eine Sache vertritt, wer bewusst andere auf seine Seite ziehen möchte – dessen Sachlichkeit ist nicht zu trauen. Dahinter steckt meines Erachtens ein Missverständnis: Dass es echten Erkenntnisgewinn nur da geben könne, wo man persönlich unparteiisch und nüchtern distanziert argumentiert. Doch für den christlichen Glauben ließe sich sogar das Gegenteil behaupten: Gerade wer sich Jesus Christus mit Haut und Haaren verschreibt, im Leben und Sterben allein auf ihn baut, sollte ein vitales Interesse daran haben, dass dieser Glaube tatsächlich wahr ist – und echte Anfragen an ihn gerade nicht unterdrücken. So geht es mir jedenfalls!

Eine zweites Motiv kann die Sorge sein, vereinnahmt zu werden. Aber bekehren hat mit überzeugen und nicht mit überreden zu tun. Glaube als Vertrauen kann nur ohne Druck wachsen; nur da, wo ein Mensch sich ihn aus freien Stücken zu eigen macht. Ein „Glaube“, der durch Vereinnahmung oder Verkürzung entsteht – ein solcher Glaube ist meist nur ein Strohfeuer und gerade nicht wünschenswert.

 

9. War Jesus nicht einfach ein vorbildlicher Mensch?

Damit wird oft das Bekenntnis von Jesus als dem Sohn Gottes, dem menschgewordenen Gott (und der damit verbundene Einzigartigkeitsanspruch) zurückgewiesen. Der biblische Befund lässt diese Option aber nicht offen.

Er präsentiert Jesus als einen Menschen, der in Wort und Tat beansprucht, an Gottes Stelle zu stehen.

  • Z.B. in einzelnen Spitzensätzen, die sich vor allem im Evangelium nach Johannes finden: „Ich bin … die Wahrheit“ (Johannes, Kapitel 14, Vers 6); oder „Ich und [Gott] der Vater sind eins.“ (Johannes, Kapitel 10, Vers 30).
  • Außerdem mit der Behauptung, Sünden zu vergeben, die sich in allen Evangelien findet (Markus, Kapitel 2, Vers 5-6; Identity-Heft, Seite 7, Abschnitt 02-03). Die Reaktion der Umstehenden zeigt: Damit stellt sich Jesus an die Stelle Gottes.
    Das heißt, er ist entweder ein Gotteslästerer, oder ein Verrückter – oder er hat Recht. Entweder ist er also sehr viel weniger als ein „vorbildlicher Mensch“ – oder aber wesentlich mehr, nämlich der Sohn Gottes selbst: Nicht die „Steigerung“ eines guten Menschen, sondern qualitativ auf einer anderen Ebene. Was glauben wir? Welchen Eindruck macht Jesus auf uns? Dieser Alternative sollte man sich stellen.

10. Ist die Bibel nicht verfälscht und unzuverlässig?

„Worauf genau spielst du an?“ würde ich zurückfragen. Vielleicht geht es dir um konkrete Stellen in der Bibel. Dann würde es natürlich mehr Sinn machen, diese Stellen direkt anzusprechen. Vielleicht geht es auch eher um einen allgemeinen Eindruck, den man aus Gesprächen oder aus den Medien gewinnen kann, wenn das Thema Bibel zur Sprache kommt.

Wenn das der Fall ist, würde ich gerne bei der Mitte ansetzen – bei Jesus. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht ja gar nicht die Bibel selbst, sondern die Person Jesus. Deshalb geht es nicht etwa darum, erst einmal die Glaubwürdigkeit der gesamten Bibel pauschal zu bejahen, bevor man überhaupt sinnvoll über den Glauben nachdenken kann. Sondern es geht um Jesus: Von Jesus glauben die Christen, dass Gott in ihm Mensch geworden ist. Wenn wir Gott kennen lernen möchten, sollten wir uns also mit Jesus auseinandersetzen. Ist er vertrauenswürdig?

Um das herauszufinden, brauchen wir zunächst einmal gesicherte Informationen über ihn. Was hat er gesagt, getan, erlebt? Gibt es darüber historisch zuverlässige Daten? Ich bin überzeugt: Ja, die gibt es. Dazu ein paar Hinweise:

  • Textüberlieferung: Der ursprüngliche Text des Neuen Testaments der Bibel (NT) wird aus einer für die Antike beispiellosen Fülle von erhaltenen Manuskripten und Fragmenten rekonstruiert, die für jeden Forscher zugänglich sind. Dabei wird nach der anerkannten Methode der Textkritik verfahren.
  • Datierung der Schriften: Der Abstand zwischen den Ereignissen um Jesus und den ersten uns bekannten schriftlichen Zeugnissen beträgt laut der Mehrheit der (zum Teil sehr bibelskeptischen) Forschung ca. 20 Jahre (bei den Paulusbriefen) bzw. 30-70 Jahre (bei den Evangelien). Das ist im Vergleich mit anderen antiken Geschichtszeugnissen extrem kurz. In diesem Zeitraum könnten einzelne Details verändert, aber kaum ganze Ereignisfolgen frei dazu erfunden worden sein.
  • Mündliche Überlieferung: Im Gegensatz zu heute war in der Antike die mündliche Überlieferung u.U. sehr langlebig und zuverlässig. Es ist begründbar, dass Jesus selbst in seinen Reden die Gedächtnistechniken jüdischer Rabbiner gebrauchte, um seine Lehre für seine Jünger einprägsamer zu machen.

Wenn du Lust hast, hier noch tiefer einzusteigen: Nach christlicher Überzeugung ist der Anspruch von Jesus, an Gottes Stelle zu stehen, an einem Punkt deutlich bestätigt worden: nämlich in der Auferstehung. Christen glauben, dass Jesus nach dem Tod nicht im Grab geblieben, sondern zu neuem Leben auferstanden ist. Und: Dass die Auferstehung tatsächlich ein historisches Ereignis war, das der kritischen Überprüfung standhält. Wie andere historische Ereignisse auch ist die Auferstehung zwar nicht im strengen Sinne beweisbar, wohl aber denkmöglich und begründbar. U.a. sprechen folgende Indizien dafür:

  • Das leere Grab wird von allen relevanten Texten bezeugt. Glaubt man nicht an die Auferstehung, braucht man eine alternative Erklärung dafür. (Z.B.: Jemand hat den Leichnam entwendet. Wer? Die Jünger? Um selbst eine Lüge in die Welt zu setzen, für die sie später ihr Leben riskieren? Oder waren es Grabräuber? Dann hätten die jüdischen oder römischen Autoritäten nur den Leichnam ausfindig machen und vorzeigen müssen; dazu wären sie in der Lage und daran wären ihnen gelegen gewesen.)
  • Die Frauen am Grab waren laut den Evangelien die ersten Zeugen der Auferstehung. Doch in der Antike galt das Zeugnis von Frauen vor Gericht nichts. Gerade deswegen können wir heute davon ausgehen, dass diese Texte nicht konstruiert sind – dann hätte man (aus damaliger Sicht) kaum Frauen als Zeugen gewählt.
  • Der Stimmungsumschwung der Jünger. Die Jünger Jesu hatten seine Kreuzigung als Niederlage erlebt. Und doch sieht man sie wenige Tage danach durch Jerusalem ziehen und die Auferstehung verkünden. Sie wissen, dass sie sich damit in große Gefahr begeben. Auch hierfür braucht man eine alternative Erklärung, wenn man nicht an die Auferstehung glaubt. Psychologische Modelle sind wenig plausibel, weil sie meistens von einer Gruppenwirkung ausgehen; das NT berichtet aber von mehreren Einzelbegegnungen mit dem Auferstandenen. Zudem ist das Bekenntnis der Jünger von der Auferstehung verbunden mit dem Hinweis auf das leere Grab: Dieser Hinweis wäre zumindest theoretisch falsifizierbar gewesen (wenn nämlich das Grab nicht leer gewesen wäre). Suggestionen und Wahnvorstellungen dagegen sind meist „selbst erhaltende Systeme“, die für prüfende Rückfragen prinzipiell verschlossen sind.

 

Das waren einmal in aller gebotenen Kürze unsere Anwortvorschläge auf die „Top 10“ der harten Fragen an den christlichen Glauben. Aber wie gesagt: Darüber darf man ins Gespräch kommen. Glaube ist ja in der Tat „frag-würdig“ – von daher: Frage gerne kritisch nach; Skepsis ist ja nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.

Kommende Termine

  • Keine Termine in der nächsten Zeit.

Das Wort für Mittwoch, 20. September 2017

Die Elenden werden wieder Freude am Herrn haben, und die Armen unter den Menschen werden frohlocken über den Heiligen Israels.

Jesaja 29,19

Jesus hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Glückselig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer!

Lukas 6,20

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